Notstand im Amazonasgebiet: Indigene von COVID-19 bedroht

Gemeinsame Pressemitteilung des INFOE, Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie, und des Klima-Bündnis

Frankfurt am Main, 21. April 2020. Der COVID-19-Virus stellt auch die indigenen Völker des Amazonasbeckens vor eine enorme Herausforderung. Nach den verheerenden Bränden im letzten Jahr erklärte die Partnerorganisation des Klima-Bündnis, der Dachverband der indigenen Völker des Amazonasbeckens (COICA), erneut den Notstand.

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Foto: Tereza Soria Gonzalez

„Die Situation ist wirklich sehr schwierig. Das Militär versagt bei den Kontrollen der Boote und Transporter. Auch die schleppend anlaufende Belieferung der Gemeinden mit Nahrungsmitteln und medizinischen Materialien geht ohne Schutzvorkehrungen vonstatten.“, sagt Lizardo Cauper, Präsident der peruanischen Vertretung indigener Völker, AIDESEP.

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Online-Workshop: Ein indigener Blick auf Wald und Waldnutzung

indigenerWald.max-1280x1280.format-jpegIm Rahmen des INFOE Projekts zum Beitrag indigener Völker und Gemeinschaften zu den SDGs hatten wir u. a. einen Workshop beim Ja!NUN Festival in Springe geplant. Dieser Workshop findet nun Online in Kooperation mit dem Ja!NUN Festival Team und dem BUNDJugend Niedersachsen am Samstag den 9. Mai 2020 von 10:00 bis 14:00Uhr statt.

Wer Interesse hat, kann sich hier anmelden.

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Wissen, Wald und Landrechte Indigener in der Corona-Krise

Überlegungen mit einem sorgenvollen Blick in die Zukunft von Richard Rubio, Kichwa und aktueller Vize-Präsident des indigenen Dachverbandes AIDESEP in Peru

Eine spirituelle Vision aus den Gemeinschaften.

Die indigenen Völker  und Gemeinschaften können sich nur vor den Pandemien retten, wenn  sie über Waldterritorien, Nahrung, Unterkunft, Zuflucht und kosmischen Schutz verfügen. Für kleine Gemeinden, die keine Territorien haben, wird es schwieriger werden, dies alles  zu überstehen.

Wenn der Coronavirus in die Gemeinschaften eindringt, werden diese verödet zurückbleiben. Nicht, weil die Bevölkerung ausgerottet werden würde, sondern weil diese in den Wald geflüchtet sein wird. Aber nicht alle Gemeinschaften werden diese Möglichkeit der Zuflucht haben, da nicht alle ein Territorium haben. Seit die Territorien der Gemeinden nach der Anzahl der Familien tituliert worden sind, sind viele Gebiete, die per Gesetz als frei verfügbar definiert wurden, von Dritten besetzt worden. Falls etwas übrigblieb, wurde es von Holzkonzessionären besetzt oder als permanente Produktionswälder (Bosques de Producción Permanente ) deklariert.

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Richard Rubio und Elke Falley-Rothkopf vor dem AIDESEP Büro, Foto: Dominikus Rothkopf

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Lehren aus dem nachhaltigen traditionellen Wasser-Management der Konso in Äthiopien

von Pedro Coña Caniullan

Die Anpassungsfähigkeit indigener Völker an die Umwelt und die Klimavariabilität lässt sich auf der ganzen Welt beobachten. Insbesondere dort, wo wir eine hohe Artenvielfalt und eine komplexe soziale Organisation vorfinden, sind es indigene Gemeinschaften, die ihre Kulturen in einem bemerkenswerten Gleichgewicht mit der Natur erhalten und weiterentwickeln. Diese Entwicklung drückt sich auch in einer umfassenden Pflege der verfügbaren natürlichen Ressourcen aus, die von gut strukturierten traditionellen Institutionen auf der Basis kultureller Werte, geleitet werden. Dies bedeutet, dass lokales Wissen, kollektives Handeln und Gewohnheitsgesetze für die Nachhaltigkeit von lokalem Ressourcenmanagement wesentlich sind. Dabei ist die Fähigkeit zur sozialen Organisation einer der wichtigsten Aspekte, um auf lange Sicht Nachhaltigkeit aufzubauen. Dies ist der Fall bei den indigenen Gemeinden der Konso, im südlichen Äthiopien. Aufgrund ihrer komplexen sozialen Organisation entwickelten sie lokale traditionelle Institutionen sowie komplizierte technische Konstruktionen, die seit mehr als 500 Jahren bestehen.

 

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Foto: MauritsV, Lizenz: CC BY-SA, via Wikimedia Commons: Terraces in Konso country (Ethiopia)

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Indigene Völker in der Corona-Krise

Indigene Völker sind unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen, je nachdem in welchem Land bzw. welcher Region sie leben. Die schwierige Situation, in der sich die meisten indigenen Gemeinschaften befinden, sei es aufgrund von schlechter medizinischer Versorgung, von Landnahme oder Verletzungen ihrer Rechte wird in dieser Krisenzeit noch prekärer werden. Ihre unterschiedlichen Situationen jedoch rufen auch unterschiedliche Strategien zum Umgang mit der Krise und den jeweils auferlegten Maßnahmen hervor.

In Brasilien ziehen sich indigene Gemeinschaften in die freiwillige Isolation zurück, um sich vor der Pandemie zu schützen. Die brasilianische Indigenenpolitik unter Präsident Bolsonaro ist gekennzeichnet durch Menschenrechtsverletzungen, die Ausbeutung indigener Territorien und die drohende Aberkennung oder Aufhebung indigener Rechte und geschützter Gebiete. Hier ist keine Unterstützung für indigene Gemeinschaften in Zeiten der Corona-Krise zu erwarten. Im Gegenteil soll die staatliche Indigenenbehörde FUNAI erlassen haben, dass „freiwillig isoliert lebende indigene Völker aus Schutz vor der Pandemie“ kontaktiert werden dürfen, wie die GfbV in ihrem Artikel schreibt https://www.gfbv.de/de/news/covid-19-in-brasilien-9975/

Für Aborigines Gemeinschaften im australischen Outback bedeutet ihre abgelegene Lage zwar, dass sich das Virus nicht so schnell ausbreitet und ihnen noch etwas Zeit für Vorkehrungen bleibt. Jedoch heißt dies andererseits, dass die ohnehin schwierige medizinische Versorgung in den abgelegenen Gebieten noch prekärer wird und aufgrund der Unterversorgung in den Gemeinschaften mit einer höheren Sterblichkeitsrate zu rechnen ist. Lesen Sie mehr im Artikel des ‚Guardian‘ https://www.theguardian.com/world/2020/apr/02/vulnerable-indigenous-communities-work-to-mitigate-consequences-of-coronavirus

In Peru informiert CHIRAPAQ – das Zentrum für indigene Kulturen in Peru – über die Situation indigener Völker in dieser Corona-Krise. CHIRAPAQ beobachtet außerdem die Regierungsinstitutionen, die für die Bedürfnisse der indigenen Völker relevant sind und verfolgt die erlassenen Maßnahmen. Über einen ständigen Kontakt mit Verbündeten in verschiedenen Regionen, wird auch über jede Verletzung der Rechte indigener Völker informiert, die während dieser Gesundheitskrise auftreten. Lesen Sie mehr dazu auf der Seite von CHIRAPAQ http://chirapaq.org.pe/en/coronavirus-in-peru-new-measures-and-demands-in-the-interest-of-indigenous-peoples

Aus Thailand erreichte uns ein Bericht von PASD – Pgakenyaw (Karen) Association for Sustainable Development – über die aktuelle Situation in den Karen Gemeinschaften. Die Karen glauben, dass ungewöhnliche Praktiken bestimmte Arten von Missgeschicken verursachen können. Die weltweite Verbreitung von COVID-19 erfordert eine stärkere Solidarität zwischen Nationen in nah und fern.

Das Corona-Virus hat auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die Karen Familien, deren Mitglieder in den Städten Geld verdienen mussten, um das Problem der Familienverschuldung zu lösen. In einer Reihe von Familien treten wirtschaftliche Spannungen auf, insbesondere wenn ihre Mitglieder regelmäßig ins Krankenhaus müssen, um Medikamente gegen langfristige und teure Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes zu erhalten.

Andererseits belebt die Krisensituation auch traditionelle Rituale zum Schutz der Gemeinschaft und Karen beziehen sich auf traditionelle Sprichwörter und Anweisungen zum selbständigen Lebensunterhalt mithilfe ökologischer Nahrungspflanzen aus der Rotationslandwirtschaft und der verwandtschaftsbezogenen Beziehungen in der Gemeinschaft.

Vom Institut Dayakologi auf Kalimantan erfahren wir von der Durchführung traditioneller schützender Rituale, um die Verbreitung von Covid-19 in den Dayak Gemeinden zu verhindern. Der Zweck der Rituale besteht u.a. darin, die Bedrohung aller Arten von Krankheiten, einschließlich der durch das Corona-Virus verursachten Krankheiten, für alle Bewohner*innen der indigenen Gemeinschaften von Kampung Segumon aufrechtzuerhalten und abzuwehren. Rituale sollen auch das Bewusstsein aller Bürger*innen stärken, um die Krankheiten zu vermeiden. Bei der Kalimantan Review finden Sie weitere Informationen https://kalimantanreview.com/tangkal-korona-masuk-kampung-dan-meluas-masyarakat-adat-komunitas-tampun-juah-di-ketemenggungan-sisang-kampung-segumon-gelar-ritual-adat-malis/

„Traditionelle Amchi-Praktiken bei indigenen Gemeinschaften in Nepal“

CIPRED[1] – Zentrum für Forschung und Entwicklung indigener Völker in Nepal – hat eine neue Publikation zu den traditionellen Praktiken der Amchi Heiler*innen in den Bergregionen Nepals herausgebracht.

In Nepal leben 59 anerkannte indigene Nationalitäten, die als Aadibasi Janajati bezeichnet werden. Sie machen 35,6 % der gesamten nationalen Bevölkerung aus. Indigene Völker leben in verschiedenen Acmchi_finalgeografischen und ökologischen Regionen mit einer unterschiedlichen Kultur, Identität und Lebensweise. Sie haben eine ganz besondere soziale, kulturelle, wirtschaftliche und spirituelle Beziehung zu natürlichen Ressourcen sowie ihre eigenen traditionellen Heilpraktiken. Traditionelle Heilpraktiken sind in abgelegenen Gebieten nach wie vor weit verbreitet, insbesondere in den indigenen Gemeinschaften, da sie im Vergleich zu Kliniken und Ärzten leicht zugänglich und billiger sind. Die traditionelle Medizin umfasst Praktiken, die auf Überzeugungen beruhen, die seit Jahrhunderten existierten, lange vor dem Aufkommen der modernen Medizin.

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SDG 1. Etamam – eine Praxis der Karamojong Hirtennomaden in Uganda

von Simon Peter Longoli

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen leben immer noch mehr als 700 Millionen Menschen oder 10% der Weltbevölkerung in extremer Armut. Dabei gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Menschen, die in extremer ArmSustainable Development Goals_icons-01ut leben, denn auf 100 Männer kommen 122 Frauen in der Altersgruppe der 25-34-Jährigen, die in extremer Armut leben. Sie überleben mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag. In den meisten Situationen garantiert ein Arbeitsplatz allein noch kein angemessenes Leben. Tatsächlich lebten 8 Prozent der weltweit beschäftigten Arbeitnehmer*innen und ihrer Familien im Jahr 2018 in extremer Armut. Armut hat viele Dimensionen, aber ihre Ursachen sind vor allem Arbeitslosigkeit, fehlender Landzugang, soziale Ausgrenzung und eine hohe Anfälligkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen für Katastrophen, Krankheiten und andere Phänomene, die sie daran hindern, produktiv zu sein. Wachsende Ungleichheit untergräbt den sozialen Zusammenhalt, verstärkt die politischen und sozialen Spannungen und führt unter Umständen zu Instabilität und Konflikten.[1]

Nach Angaben der ugandischen Regierung ist Karamoja die Region mit den höchsten Armutsindikatoren des Landes, mit 61% einer Gesamtbevölkerung von 1,2 Millionen in Armut lebenden Menschen, während der Landesdurchschnitt bei 21% liegt. 24% der Bevölkerung sind in chronischer Armut gefangen, mehr als das Doppelte des nationalen Durchschnitts von 10%.

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SDG 12: „Mehr tun mit weniger“

Der Wald der Menominee und ihr Modell von nachhaltiger Entwicklung

von Jasmine Neosh, Studentin am College of Menominee Nation

Vor langer Zeit und über viele Jahrhunderte hinweg, haben die Menschen, die heute als die Menominee bekannt sind, ein Heimatland von 10 Millionen Acres bewohnt, das den Nordosten von Wisconsin und die obere Halbinsel von Michigan umfasst. Seitdem ist die riesige Heimat der Menominee auf 235.000 Acres (etwa 95.000 Hektar) geschrumpft, von denen 93% dicht bewaldet sind. Der Menominee-Wald ist so reich an Pflanzen, dass seine Grenzen auf Satellitenbildern leicht erkennbar sind, dennoch hat die Ernte der Waldprodukte und ihre Verarbeitung in der Stammesmühle das wirtschaftliche Leben des Stammes seit dem Kontakt gestützt.

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Menominee Photo von American Forests Magazine, 2012

Wie haben die Menominee das Gleichgewicht zwischen den vielen anspruchsvollen Facetten der modernen Wirtschaft gefunden und gleichzeitig die Vitalität und das Wohlbefinden des Waldökosystems bewahrt? Die Antwort darauf liegt in der reichen Hintergrundgeschichte der Menominee und ihrem Kampf für Souveränität, für den Erhalt ihrer Kultur und für ökologische Nachhaltigkeit. Diese Hintergrundgeschichte wurde in ein Modell für nachhaltige Entwicklung übersetzt, das Planer*innen dabei helfen kann, ihre eigenen Produkte durch einen ganzheitlichen, multidisziplinären und dynamischen Prozess neu zu überdenken, der aus einer einzigartigen indigenen Erfahrung hervorgeht. Dieses Modell kann als Wegweiser für die Herangehensweise an das nachhaltige Entwicklungsziel SDG12 dienen, bei dem es um einen ethischeren Ressourcenverbrauch geht, indem „mit weniger mehr erreicht wird“.

(Übersetzung Sabine Schielmann) Lesen Sie hier den englischen Originalbeitrag.

SDG 5: Eine progressive Frauen-Gruppe für Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung in Nepal

Pasang Dolma Sherpa, Executive Director of Center for Indigenous Peoples‘ Research (CIPRED) (Übersetzung Sabine Schielmann)

Die progressive Frauengruppe „Pragati Nari Samuha“, angeführt von alleinstehenden Frauen im Dorf Khasure, im Distrikt Lamjung  der Provinz Gandaki in Nepal, ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie einheimische alleinstehende Frauen auf lokaler Ebene zur globalen Agenda der Gleichstellung von Frauen und Männern und nachhaltiger Entwicklung beitragen.

In unserer patriarchalischen Gesellschaft stehen Frauen häufig an zweiter Stelle sowohl zu Hause als auch auf Gemeindeebene, wenn Entscheidungen getroffen werden. Der Trend, dass Eltern einer Tochter den Schwiegersohn auswählen, ist in Nepal weit verbreitet. In Nepal gibt es viele Sprichwörter, die Frauen davon abhalten, zu sprechen oder eine aktive Rolle zu spielen. Je mehr Frauen auf ihren Ehemann und ihre Schwiegereltern hören, umso bescheidenere und idealere Frauen werden sie. Dies ist, was die meisten Familien in Nepal erwarten. Die Situation von alleinstehenden Frauen ist noch schlimmer. Sie werden von der Gesellschaft anders gesehen, als hilflose Menschen. Die Menschen denken, dass indigene Familien in Nepal matriarchalisch sind, aber in Wirklichkeit sind indigene Frauen nicht frei vom Mainstream der patriarchalischen Gesellschaft. Dies ist einer der Gründe, warum Frauen, obwohl es mehr Frauen als Männer in Nepal gibt, in allen Bereichen immer noch weit hinterherhinken. Nur wenige Frauen haben das Glück, aus ihrem zu Hause herauszukommen, um die Welt zu erkunden und ihre Stimme leben zu lassen.

Die alleinstehenden Frauen des Dorfes Khasure im Bezirk Lamjung in der Provinz Gandaki in Nepal haben ähnliche Geschichten. Bevor sie 2008 die Möglichkeit bekamen, an einem Frauen-Führungstraining teilzunehmen, gefolgt von Haushalts- und Kochschulungen in den Jahren 2009 und 2010, konnten sie kaum vor ihren Dorfältesten oder mit Außenstehenden sprechen. Nach dem Training bauten sie langsam ihr Selbstvertrauen auf, um Nepal Frauenuntereinander und mit ihren Familien über ihre Anliegen zu sprechen.

 

Foto: Jivraj Ghale

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SDG 10: Verringerung von Ungleichheiten bei den Dayak in Westkalimantan

Erfahrungen der Dayak durch lokale wirtschaftliche Stärkung im Ketapang-Distrikt in Westkalimantan

In den frühen neunziger Jahren haben das Dayakologi Institut und Pancur Kasih Empowerment Movement (GPPK) damit begonnen, die Praxis der nachhaltigen Entwicklung durch die Einführung eines lokalen wissensbasierten ganzheitlichen Empowerment-Konzepts zu fördern. Dabei ging es um eine ganzheitliche Stärkung der indigenen Dayak im Landesinneren des Distrikts Ketapang, Provinz West-Kalimantan in Indonesien. Die Dayak haben nur begrenzten Zugang zu Entwicklung, d.h. sie haben kaum Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitswesen, Elektrizität, Transport und finanziellen Institutionen und auch nicht zu natürlichen Ressourcen, die für ihren Lebensunterhalt fundamental sind.

Unternehmen, die Genehmigungen für die Nutzung von Wäldern, für Industrieplantagen und große monokulturelle Plantagen erhalten hatten, sind seit Anfang der 1970er Jahren auf dem Gebiet der Dayak im Distrikt Ketapang tätig. Im Namen von Entwicklung haben diese Unternehmen das Land, den Wald und die Lebensgrundlagen der Dayak ausgebeutet und die Profite nach außen abgeführt. Die massive Ausbeutung führte nicht zu Wohlstand, sondern zu Ungerechtigkeit und Armut für die indigenen Dayak sowie zu ökologischer Zerstörung und der Degradierung ihrer Traditionen, Gebräuche und Kultur. Im Distrikt Ketapang liegt die – im Vergleich zu 9 anderen Distrikten – größte Palmölplantage in West Kalimantan mit einer Fläche von 1,1 Millionen Hektar, wie die Daten des Plantagenamtes von West Kalimantan (2009) zeigen.

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