Die Jenu Kuruba in Indien und ihre traditionelle wirtschaftliche Beschäftigung – das Honigsammeln

Die wirtschaftliche Dimension ist eine der Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung. Um als Gemeinschaft oder Gesellschaft fortbestehen zu können, braucht es wirtschaftliche Entwicklung. Entscheidend für eine nachhaltige Wirtschaftsweise und Entwicklung sind die zugrundeliegenden Wert- und Zielvorstellungen, die wiederum die Rahmenbedingungen für das wirtschaftliche Handeln einer Gesellschaft hervorbringen.

In einer auf Wachstum, Wettbewerb und Gewinn ausgerichteten Wirtschaftsweise werden viele zurückgelassen, die nicht teilhaben und mitbestimmen können, weil ihnen Zeit, Bildung, Information, Energie, Mut oder auch Eigennutz fehlen. Eine resiliente Infrastruktur, wie sie in SDG 9 gefordert wird, bedeutet daher, dass bereits die Rahmenbedingungen für Arbeit, Handel, Institutionen, Ressourcennutzung, Organisationsweisen, Versorgung u.a. von Menschen einer Gesellschaft gemeinsam gestaltet werden, so dass sich alle mit ihren Fähigkeiten einbringen und teilhaben können.

Bei den Jenu Kuruba im südlichen Indien steht die Tätigkeit des Honigsammelns mit den dazugehörigen Bräuchen und Wissen im Zentrum. Die Jenu-Kuruba gehören zu den indigenen Völkern Indiens – auch Adivasi genannt – und leben im Bezirk Kodagu, an der südlichen Grenze des Bundesstaates Karnataka in Südwestindien. Das Lebensgebiet der Jenu Kuruba liegt in einem Biodiversitätshotspot mit zahlreichen Wald- und anderen Schutzgebieten. Der Bezirk Kodagu ist neben dem Kaffeeanbau auch bekannt für seine Honigproduktion. Die Jenu Kuruba – was in der lokalen Sprache ‚Honigsammler‘ bedeutet – zählen etwa 30.000 Personen, für die das Sammeln von Honig seit Generationen eine wichtige wirtschaftliche und zentrale kulturelle und spirituelle Aktivität darstellt.[1]

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Nachhaltiger Tourismus in einer indigenen Gemeinschaft in Taiwan

Der Sommer ist vorüber und damit auch die wichtigste Reise-, Urlaubs- und Ferienzeit für Menschen in Deutschland. In diesem Jahr sind der Sommerurlaub oder die Sommerferien für viele anders gewesen als sonst und als geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie war Reisen nur eingeschränkt möglich. Dies bedeutete für viele Urlauber*innen, aber insbesondere auch für Menschen, die in der Tourismusbranche tätig sind, große, zum Teil existenzbedrohende, finanzielle Einbußen. [1]

Diesen Sommer haben aber auch viele Menschen ihre Umgebung und das Reiseland Deutschland neu entdeckt. Was ist uns denn eigentlich am Wichtigsten im Urlaub? Wann ist eine Reise für uns wertvoll? Ist es das so ganz andere, entfernte Reiseziel mit abenteuerlichen Touristen-Attraktionen? Sonne, Strand und Meer? Oder ist es das ‚Rauskommen‘ aus dem Alltäglichen, die Luftveränderung, das achtsame Entdecken unbekannter Orte, das Kennenlernen fremder Menschen und Lebensgeschichten?

In jedem Fall scheint es für Reisende wichtig zu sein, Zeit und Raum zum Wohlbefinden zu haben. Dafür muss nicht in die Ferne geflogen werden. Vielmehr tragen ein sorgsamer Umgang mit der Natur und Menschen, die mit Freude und Wertschätzung für ihre Arbeit, Dienstleistungen für Tourist*innen anbieten, zu einem Wohlbefinden bei. Nicht nur in Bezug auf unseren Urlaub, sondern auch bei unserer Arbeit und der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Gesellschaft sollte das Wohlbefinden der Menschen in der Gemeinschaft an vorderster Stelle stehen. In Deutschland werden Wohlstand und Lebenszufriedenheit jedoch am Bruttosozialprodukt und am Wirtschaftswachstum gemessen.

Welche alternativen Maßstäbe für das nachhaltige Entwicklungsziel 8 – Dauerhaftes, integratives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern – angelegt werden können, zeigt uns das Beispiel der Gemeinde Smangus in Taiwan, die für ihre nachhaltige Tourismus-Strategie bekannt ist.

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Kulturbasiertes Lernen für die Zukunft: Ein Beispiel der Sámi in Schweden

Menschen überall brauchen Zugang zu Bildung, die sie dazu befähigt, heute und in Zukunft würdig zu leben und ihre Bedürfnisse und Talente zu entfalten. Sie brauchen außerdem Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen, um einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten zu können. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die ein ganzheitliches Lernen unter Berücksichtigung kultureller Werte, religiöser Orientierung und der planetaren Grenzen fördert, ist hierfür von zentraler Bedeutung. [1] Ihr Ziel ist es, alle Menschen zu einem zukunftsfähigen, kritischen und kreativen Denken zu befähigen und ihnen zu ermöglichen, „die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen“ und Verantwortung dafür zu übernehmen.[2] In Zeiten der Corona-Pandemie erhalten Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen eine aus unserer Sicht noch dringlichere Bedeutung für den Wandel unserer Gesellschaft. Nachhaltiges Leben, Handeln und Wirtschaften sind gerade jetzt wichtig, um als Mensch gesund und stark, als Gemeinschaft solidarisch und inklusiv sowie wirtschaftlich gerecht und ökologisch, die Herausforderungen dieser Krise nachhaltig meistern zu können.

Die Corona-Krise stellt die Bildungsarbeit in vieler Hinsicht vor Herausforderungen, um überhaupt Bildung für alle zu ermöglichen, Lernziele zu erreichen und Kompetenzen zu fördern. In der Krise stecken jedoch auch Chancen für die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), um im Sinne eines ‚buidling-back-better‘ solidarischer und verantwortungsvoller auf Themen der SDGs wie dem Klimaschutz, dem Erhalt der biologischen Vielfalt, der Transformation der Landwirtschaft oder auch die strukturelle Verankerung von BNE hinzuarbeiten. Während sich das nachhaltige Entwicklungsziel 4 der Agenda 2030 (SDG4) mit dem zentralen Thema einer hochwertigen und gleichberechtigten Bildung für alle Menschen beschäftigt, steht BNE im Mittelpunkt von Unterziel 4.7.:

SDG 4.7: „Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.“

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Für das Wohl der Gemeinschaft

Awabakal – eine städtische Aborigine Organisation in Newcastle, Australien

SDG 11 beschäftigt sich mit einem Grundbedürfnis des Menschen, dem Wohnen. Wo und wie Menschen wohnen ist ganz wesentlich für ihr Leben, oft sogar für ihr Überleben. Dabei bedeutet Wohnen mehr als nur eine Behausung mit einem Dach über dem Kopf. Es geht auch um die Verwirklichung von Grundbedürfnissen wie essen, trinken, waschen und schlafen und alledem was den Wohnraum zu einem Zu-Hause macht. Hierzu gehören auch die Nachbarschaft, soziale Kontakte sowie öffentliche Plätze, die von Zu-Hause aus erreicht werden können. Der Wohnraum ist sowohl kulturell und ökonomisch als auch von der natürlichen Umgebung geprägt. Manche Menschen können den Ort, an dem sie wohnen, frei wählen und ihren Wohnraum gemäß ihren Wünschen und Bedürfnissen selbst gestalten. Vielen Menschen können dies aber aus wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Gründen nicht.[1

Von aktuell ca. 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde lebt mehr als die Hälfte in Städten. Prognosen zufolge werden bis 2050 etwa zwei Drittel aller Menschen in Städten wohnen; auf dem Land hingegen weniger als 30 % der Menschen. Die rasante Verstädterung und das zunehmende Stadt-Land Ungleichgewicht bedeuten, dass es besonders für Menschen aus einkommens- und bildungsschwächeren Schichten sowie für Randgruppen der Bevölkerung kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt. [2] Deshalb geht es im SDG 11 darum sicherzustellen, dass alle Menschen Zugang zu angemessenem, sicherem und bezahlbarem Wohnraum und einer Grundversorgung haben (SDG 11.1). Bürger*innen in allen Ländern sollen die Möglichkeit haben, an der Gestaltung und Planung von Städten und Siedlungen mitzuwirken. (SDG 11.3).

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Traditionelles medizinisches Wissen der Matsés in Krisenzeiten

von Daniel Manquiol Jiménez Huanán und Elke Falley-Rothkopf

Gesundheit und Wohlergehen stehen für alle Menschen besonders in der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie an oberster Stelle. Die Pandemie betrifft alle Menschen in fast allen Ländern der Welt. Jedoch trifft sie nicht alle Bevölkerungsgruppen in den jeweiligen Ländern gleichermaßen, denn bereits gesundheitlich, sozial oder wirtschaftlich geschwächte und marginalisierte Menschen sind besonders betroffen. In dieser Pandemie, wenngleich sie auch viele im Umgang mit den Auswirkungen und in der Bekämpfung der Krankheit eint, zeigt sich auch ein unterschiedliches Verständnis von Gesundheit und Wohlergehen und wie dieses erreicht und erhalten werden kann.

In Deutschland stehen im Zusammenhang mit der Pandemie sowie grundsätzlich zur Erreichung von SDG 3 der „[…] Zugang zu guter medizinischer Versorgung, lebensrettenden Medikamenten, gesunder Ernährung, sauberem Wasser und guter Luft […]“ im Vordergrund.[1] In der aktuellen Coronavirus-Pandemie finden sich weltweit betrachtet große Unterschiede beim Zugang zu guter medizinischer Versorgung und lebensrettender medizinischer Technik, während die sog. Biomedizin speziell gegen das Covid 19-Virus noch über kein Medikament verfügt.

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