Indigene Referentinnen inspirieren mit ihrem Verständnis von Nachhaltigkeit

Der erste hybride Multiplikator*innen-Workshop, den INFOE am 4.5.2022 gemeinsam mit der Grün Berlin GmbH und  ‚Regionale Fortbildung in Berlin‘ für Lehrer*innen und andere Engagierte in der Bildungsarbeit ausrichtete, inspirierte und bewegte die knapp 20 Teilnehmenden.

Foto: Katty Gualinga

Einstimmen auf neue Perspektiven und Erfahrungen zu nachhaltiger Entwicklung konnten sich die Teilnehmenden in Präsenz im Umweltbildungszentrum in Berlin und die Online-Teilnehmer*innen aus Nordrhein-Westfalen mit einem Tee und dem Video zur Guayusada-Zeremonie bei den Kichwa in Sarayaku, Ecuador. Katty Gualinga, die sich aus Ecuador zugeschaltet hatte, beschrieb, wie diese Zeremonie ein gesundes Lernen bei den Kichwa bewirkt. In ihrer Foto-Präsentation gab sie uns weitere Einblicke in das Leben und Lernen in ihrer Gemeinde. Sie hob die Bedeutung des Lernens in, von und mit der Familie zu Hause hervor und erläuterte, dass die formelle Schulbildung kaum Raum für die ‚traditionellen Wege des Wissens‘ der Kichwa zulasse. Dadurch geht die Verbundenheit mit der eigenen Kultur, aber auch mit der natürlichen Umgebung verloren. Bildung und Lernen findet in ihrer Gemeinde nicht nur an einem Ort – der Schule – statt, sondern ist ein andauernder Prozess, der überall gelebt und geteilt wird. Es ist als lebenslanges Lernen an verschiedenen Lernorten und mit unterschiedlichen Lernbegleiter*innen zu verstehen, einschließlich der natürlichen Umgebung.

Foto: Katty Gualinga

Jasmine Neosh von den Menominee aus Wisconsin in den USA zeigte uns, wie der Umgang der Menominee mit dem Wald zu einem nachhaltigen Modell von Konsum und Produktion entwickelt wurde. Das Modell der Menominee umfasst 6 Dimensionen und geht damit über Modelle, die sich auf die Dimensionen ’sozial-ökologisch-ökonomisch‘ beschränken hinaus. In diesem umfassenderen Modell sind Institutionen, Machtverhältnisse und der Mensch als Teil der Natur als Dimensionen eingebunden, wodurch sich das Modell besser für langfristige Planungen einsetzen lässt. Angewandt werden kann das Modell für die Planung von Nachhaltigkeitsprojekten, zum Beispiel zum Ressourcenverbrauch einer Gemeinschaft, aber auch zur Gestaltung von Unterrichtsthemen. Jasmine hob die Bedeutung des Erhalts von Werten hervor, die trotz sich verändernder Rahmen- und Lebensbedingungen, von einer Generation an die nächste weitergetragen werden. Als wesentlich schilderte sie den persönlichen und gelebten Bezug von Menschen zu einem Ort. Nur wenn wir wirklich mit einem Ort verbunden sind, können wir uns in und mit der Gemeinschaft an diesem Ort auch nachhaltig entwickeln und den Ort schützen, so dass auch unsere Ururenkel, diesen Ort noch erleben können. Weitere Informationen zum Nachhaltigkeitsmodell der Menominee finden Sie in Jasmines Präsentation.

Informationen zum Programm sowie Links zu Videos und Material des Workshops finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.