Lunch-Talk zum Nexus ‚Ernährung-Gesundheit-Klima‘

In Deutschland haben sich Politik, Medien und weite Teile der Gesellschaft mit den Ursachen, den Auswirkungen und Lösungswegen aus der Corona-Pandemie intensiv beschäftigt. Die Klimakrise und der Verlust der biologischen Vielfalt sind dabei in den Hintergrund gerückt. Selten wurden und werden die Verknüpfungen der verschiedenen Krisen angesprochen oder darüber informiert und diskutiert. Ihre Ursachen, Auswirkungen und entsprechende Lösungen werden häufig unabhängig voneinander betrachtet, kommuniziert und erarbeitet.

Der ‚machbar-Bericht 2021‘ greift die Verknüpfungen zwischen der Klima-, Gesundheits- und Ernährungskrise auf und macht die Notwendigkeit deutlich, die Ursachen und Auswirkungen der verschiedenen Krisen in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen. Hieran knüpfen wir mit unserem Lunch-Talk an und werfen mit indigenen Referent*innen, lokalen Expert*innen und international tätigen Wissenschaftler*innen diverse Perspektiven auf den Nexus der Gesundheits-, Klima- und Ernährungskrise. Ausgehend von der speziellen Expertise und Erfahrung unserer Referent*innen mit einheimischen Nahrungsmitteln, indigenen Praktiken und Ernährungssystemen sowie lokaler klimafreundlicher Landwirtschaft diskutieren wir, welches Lösungspotential in ganzheitlichen Ansätzen zur Lösungsfindung steckt, die Umwelt-, Ernährungs-, Wirtschafts-, Gesundheits-, Menschenrechts- und Klimafragen gleichsam in den Blick nehmen. Wir fragen uns, wie wir den Herausforderungen durch interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit begegnen können.

Hier finden Sie das Programm:

Um Anmeldung bis zum 13.6.2022 bei sabine@infoe.de wird gebeten.

Information and Programme in English:

Kindly register with sabine@infoe.de by June 13th, 2022

Grundschüler*innen mit dem ‚Bauer Urdemale‘ auf dem Kartoffelfeld

Am 6.Mai fanden sich zwei 3. Klassen einer Grundschule im Donnersbergkreis zusammen, um gemeinsam ein kleines Feld mit Kartoffeln zu bepflanzen. Bevor die Ärmel hochgekrempelt wurden, ging es jedoch erst einmal nach Südamerika  – mit Figuren auf einer Weltkarte – zu den Herkunftsorten der Kartoffel. Die Kinder wussten bereits, dass die Kartoffeln ursprünglich aus dem peruanischen Andenhochland von den Spaniern nach Europa und Deutschland gebracht wurden. Dass es aber auch sehr alte, wilde Kartoffelsorten in Chile gibt und was es mit den Inka und ‚Indianern‘ auf sich hat, erfuhren sie von unserem Projektreferenten Pedro Coña, einem Mapuche aus Chile. Pedro erzählte, wie die Ureinwohner von Chile, die Mapuche, Landwirtschaft betreiben und verschiedene Feldfrüchte, darunter Kartoffeln, anbauen.

Foto: Pedro Cona

Dann ging es ans Vorbereiten des Feldes: Furchen wurden gezogen und gegraben, noch manches Unkraut beseitigt und die Erde aufgelockert. Wem das Graben zu anstrengend war oder wen die Neugier lockte, erforschte mit Becherlupen die Insektenwelt im Gras und am nahegelegenen Bach. Nach einer stärkenden Pause wurde die Geschichte vom ‚Bauer Urdemale und dem Teufel‘ gelesen. Nebenbei lernten die Kinder die Bestandteile der Kartoffelpflanze kennen und erfuhren, warum Kartoffeln für unsere Ernährung und die der Menschen in Südamerika und in anderen Teilen der Welt wichtig ist.

Die Erzählung vom Bauer Urdemale zeigte ihnen, wie Wissen über Nahrungspflanzen und darüber, wie diese angebaut werden, die Ernährung sichern und auch bei Herausforderungen und Krisen bestehen kann. Nach einem bewegten Lied wurden die Kartoffeln gelegt und wieder mit Erde bedeckt. Die Grundschulkinder packten begeistert mit an und erlebten hautnah, was SDG 2 bedeutet und wie sie selbst auch etwas zu einer guten Ernährung beitragen können.

Indigene Referentinnen inspirieren mit ihrem Verständnis von Nachhaltigkeit

Der erste hybride Multiplikator*innen-Workshop, den INFOE am 4.5.2022 gemeinsam mit der Grün Berlin GmbH und  ‚Regionale Fortbildung in Berlin‘ für Lehrer*innen und andere Engagierte in der Bildungsarbeit ausrichtete, inspirierte und bewegte die knapp 20 Teilnehmenden.

Foto: Katty Gualinga

Einstimmen auf neue Perspektiven und Erfahrungen zu nachhaltiger Entwicklung konnten sich die Teilnehmenden in Präsenz im Umweltbildungszentrum in Berlin und die Online-Teilnehmer*innen aus Nordrhein-Westfalen mit einem Tee und dem Video zur Guayusada-Zeremonie bei den Kichwa in Sarayaku, Ecuador. Katty Gualinga, die sich aus Ecuador zugeschaltet hatte, beschrieb, wie diese Zeremonie ein gesundes Lernen bei den Kichwa bewirkt. In ihrer Foto-Präsentation gab sie uns weitere Einblicke in das Leben und Lernen in ihrer Gemeinde. Sie hob die Bedeutung des Lernens in, von und mit der Familie zu Hause hervor und erläuterte, dass die formelle Schulbildung kaum Raum für die ‚traditionellen Wege des Wissens‘ der Kichwa zulasse. Dadurch geht die Verbundenheit mit der eigenen Kultur, aber auch mit der natürlichen Umgebung verloren. Bildung und Lernen findet in ihrer Gemeinde nicht nur an einem Ort – der Schule – statt, sondern ist ein andauernder Prozess, der überall gelebt und geteilt wird. Es ist als lebenslanges Lernen an verschiedenen Lernorten und mit unterschiedlichen Lernbegleiter*innen zu verstehen, einschließlich der natürlichen Umgebung.

Foto: Katty Gualinga

Jasmine Neosh von den Menominee aus Wisconsin in den USA zeigte uns, wie der Umgang der Menominee mit dem Wald zu einem nachhaltigen Modell von Konsum und Produktion entwickelt wurde. Das Modell der Menominee umfasst 6 Dimensionen und geht damit über Modelle, die sich auf die Dimensionen ’sozial-ökologisch-ökonomisch‘ beschränken hinaus. In diesem umfassenderen Modell sind Institutionen, Machtverhältnisse und der Mensch als Teil der Natur als Dimensionen eingebunden, wodurch sich das Modell besser für langfristige Planungen einsetzen lässt. Angewandt werden kann das Modell für die Planung von Nachhaltigkeitsprojekten, zum Beispiel zum Ressourcenverbrauch einer Gemeinschaft, aber auch zur Gestaltung von Unterrichtsthemen. Jasmine hob die Bedeutung des Erhalts von Werten hervor, die trotz sich verändernder Rahmen- und Lebensbedingungen, von einer Generation an die nächste weitergetragen werden. Als wesentlich schilderte sie den persönlichen und gelebten Bezug von Menschen zu einem Ort. Nur wenn wir wirklich mit einem Ort verbunden sind, können wir uns in und mit der Gemeinschaft an diesem Ort auch nachhaltig entwickeln und den Ort schützen, so dass auch unsere Ururenkel, diesen Ort noch erleben können. Weitere Informationen zum Nachhaltigkeitsmodell der Menominee finden Sie in Jasmines Präsentation.

Informationen zum Programm sowie Links zu Videos und Material des Workshops finden Sie hier.