Indigenes Wissen und globale Nachhaltigkeitsziele

INFOE und die Grün Berlin GmbH laden zum hybriden Multiplikator*innen Workshop am 4.5.2022 von 14:30Uhr bis 17:00Uhr ein.

SDG 4.7 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung

Lehrer*innen an weiterführenden Schulen, Multiplikator*innen der Bildungsarbeit und andere pädagogisch interessierte Menschen sind eingeladen, neue Einblicke in die SDG und kulturell vielfältige Methoden zur deren Bearbeitung mit Zielgruppen zu erhalten. Wir beschäftigen uns im Workshop mit den SDG 3, 4, 12 und 15 und lassen uns dabei – ganz im Sinne von SDG 4.7. – von den Perspektiven und Erfahrungen unserer indigenen Gäste bereichern.

Mit Katty Gualinga, die sich aus Ecuador zuschalten wird, teilen wir eine Tee-Zeremonie zum Start in den Workshop. Wir erfahren, wie dies ein gesundes Lernen bei den Kichwa in Sarayaku bewirkt und lernen traditionelle Formen der Weitergabe von Wissen kennen, die wir auch bei uns anwenden können. Jasmine Neosh von den Menominee aus Wisconsin in den USA zeigt uns, wie der Umgang der Menominee mit dem Wald zu einem nachhaltigen Modell von Konsum und Produktion entwickelt wurde. Wir erfahren von den Dimensionen von Nachhaltigkeit bei den Menominee und deren Bedeutung für eine ressourcenschonende und dennoch wirtschaftliche Waldnutzung.  

Um Anmeldung bis zum 2.5.2022 wird gebeten unter workshop@infoe.de 

Von den Anfängen der Aktionsethnologie

Sophia Lippemeier – Praktikantin bei INFOE und Stundentin der Ethnologie – blickt zurück auf die Entwicklung der Aktionsethnologie, die dem Selbstverständnis des INFOE und seiner Tätigkeit zugrunde liegt.

Aktionsethnologie kann am besten verstanden werden als Blickwinkel oder Set an Werten, mit denen Feldforscher*innen an ihr Feld herantreten. Sie ist damit ganz maßgeblich dafür, wie indigenes Wissen und Lebensweisen betrachtet werden. Seit den 1940ern, den Anfängen der Aktions-Ethnologie, hat sich in der Welt, der Ethnologie, und der Feldforschung einiges getan, und somit auch in der Auslegung des Konzeptes ‚Aktions-Ethnologie‘. Aber um dieses Konzept besser zu verstehen, lohnt sich ein Einblick in den Kontext seiner Entstehung und seinen damals grundlegenden Werten.

Cover des infoemagazin Nr.13: Themen wie die Revitalisierung kultureller Praktiken und der Erhalt indigener Sprachen sind auch heute noch essentiell für indigene Völker im Umgang mit Krisen und einer kulturell basierten nachhaltigen Entwicklung. Infoe unterstützt indigene Gemeinschaften in diesen Bemühungen mit seiner Bildungs-, Informations- und Advocacy Arbeit.

Dafür blicken wir zurück in die Ethnologie der 1940er: Diese diente als wichtiges politisches Instrument der fortlaufenden Kolonisierung indigener Völker, denn sie sollte helfen, das als ‚fremd‘ Erscheinende systematisch verwaltbar zu machen. In diesem Kontext begann eine Gruppe amerikanischer Forscher*innen, darunter der berühmte Ethnologe Sol Tax, eine Feldforschung bei den Meskwaki, auch bekannt als Fox. Ziel der Forschung war, ihre Armut zu bekämpfen – die Annahme, dass die Meskwaki unter dieser leiden würden, bewahrte sich jedoch nicht. Denn, wie sich herausstellte, wollten sie weder beforscht werden noch ihre Armut loswerden: Ihr eigentliches Problem war die Akkulturation durch die Amerikaner, während die Armut lediglich als bewusst gewählte Tarnung für die Bewahrung der eigenen kulturellen Identität galt. Ihre Verweigerung, sich zum Forschungsobjekt zu machen, zeigte dem Ethnolog*innen-Team, dass die traditionellen Forschungsansätze nicht länger funktionieren würden. So entstand ein Dialog zwischen beiden Parteien, der die Geburtsstunde der Aktions-Ethnologie markierte.

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