Die Viehhüterinnen der Karamojong

Am Weltfrauen-Tag möchten wir unseren Blick auf die Situation der Frauen in Karamoja, Uganda, und ihren Beitrag zur Erreichung des nachhaltigen Entwicklungsziels 5 richten.

Aktuell befinden sich die Karamojong in einer humanitären Krise. Auswirkungen des Klimawandels, wie eine zunehmende Häufigkeit an Dürreperioden, unregelmäßige und geringe Niederschlagsmengen, oder der Anstieg der Temperatur, erschweren die Sicherung ihres Lebensunterhalts. Hinzu kommen der zunehmende Druck von Seiten des Staates und konkurrierende Ansprüche an die Landnutzung. Diese und viele andere Probleme sorgen in Karamoja für eine hohe Armutsquote, Ernährungsunsicherheit und die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Momentan hat die Region zudem mit dem Wiederaufleben bewaffneter Konflikte zwischen den Stämmen der Wanderhirten, welche täglich Menschenleben und Eigentum kosten, zu kämpfen.

Die aktuellen Entwicklungen wirken sich besonders auf die weibliche Bevölkerung Karamojas aus, die wesentlich zur Subsistenzwirtschaft der Karamojong beiträgt:

Foto: Karamoja Development Forum

Bei Ankunft an einem Weideort bauen die Frauen die Lager für Hirten und Vieh, die sogenannten Kraals, auf. Ferner liegt es in ihrer Verantwortung, die Tiere zu tränken und Mahlzeiten für die Hirten zuzubereiten. Ihre Arbeit ist nicht nur unentbehrlich, sondern meist auch physisch äußerst beanspruchend. Eine gleichberechtigte Behandlung, Arbeitsbelastung sowie Teilnahme an Entscheidungsprozessen sind daher für die Karamojong-Frauen existentielle Fragen. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist das Thema des 5. nachhaltigen Entwicklungsziels (SDG5), das wir heute am Weltfrauentag in Erinnerung rufen möchten. In den letzten Jahren gab es in Karamoja positive Entwicklungen zur Erreichung des Unterziels 5.5. „Die volle und wirksame Teilhabe von Frauen und ihre Chancengleichheit bei der Übernahme von Führungsrollen auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung […] sicherstellen„: Die Karamojong-Frauen haben das Recht gewonnen, an Absprachen teilzunehmen und Führungspositionen zu übernehmen.

Die Lebensweise der Karamojong kann uns noch über die Erreichung weiterer Nachhaltigkeitsziele lehren, insbesondere der SDG 1, 13 und 15: Das hohe Maß an Mobilität, welches dem Pastoralismus charakteristisch ist, vermeidet zum einen die Überweidung der Flächen und macht zum anderen die Karamojong besonders anpassungsfähig. Diese Mobilität wird insbesondere durch Etamam garantiert. Etamam bedeutet, über die Bedingungen der Landesnutzung zu verhandeln – ein Mechanismus also, ohne welchen die regelmäßige Suche nach neuem Land maßgeblich erschwert würde. Knappe Ressourcen werden dabei sinnvoll verteilt, und zwar so, dass Gemeinschaftsinteressen und die Bedürfnisse des Gegenübers respektiert und beachtet werden. Damit setzen die Karamojong ein wegweisendes Beispiel, wie ein positiver Umgang mit Klimaentscheidungen funktionieren könnte. Darüber hinaus stärken sie ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen der Klimakrise, was besonders in einer mit Armut belasteten Region wie Karamoja von Wichtigkeit ist – man schaue hier auch auf das SGD 1.5, welches genau diese Widerstandsfähigkeit im Kampf gegen Armut zu fördern sucht.*

All diese Verdienste sind maßgeblich geprägt von der Arbeit, dem Wissen und den Erfahrungen der Karamojong-Frauen. Insbesondere in herausfordernden Zeiten wie den jetzigen, sind die Menschen in Karamoja auf die Beteiligung und Perspektive der Frauen angewiesen. In der INFOE-Broschüre „Erzählungen aus der indigenen Welt“ sind die Karamojong mit der Erzählung „Meine Mutter ist eine starke Kraal-Frau“ vertreten.  In dieser kann mehr über die Rolle der Frauen in Karamoja gelernt werden. Damit setzen die Karamojong ein Beispiel für das SDG 5, welches die Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen fordert.

* Mehr über den Verhandlungsmechanismus ‚Etamam‘ erfahren Sie in der INFOE-Publikation ‚Indigene WEGe‚ im Beitrag von Simon Peter Longoli:

Lesen Sie auch den Artikel von Simon Longoli im ‚machbar-Bericht 2021′: Das große Ganze. wie wir Ernährung, Klima und Gesundheit zusammendenken können

Helfen Sie uns, die Karamojong weiterhin bei ihren Bemühungen um Frieden, um eine angemessene gesundheitliche Versorgung, die Gewährleisatung ihrer Rechte und die Förderung der Bildung zu unterstützen. Jede noch so kleine Spende unterstützt die Arbeit des Karamoja Debelopment Forum und wird von INFOE an dieses weitergeleitet.