Maloka – für Verständigung und Partnerschaft zwischen den Völkern in Amazonien und weltweit

Zusammenfassung der Erfahrungsgeschichte zu SDG17 von Arlen Ribeira Calderon und Elke Falley-Rothkopf

Die Weltgemeinschaft steht heute vor Problemen und Krisen, denen sie sich erst vor Kurzem bewusst wurde. Was in Zukunft noch kommen wird, kann sie nur erahnen. Diese Krisen, denen wir gegenüberstehen, sind größtenteils durch die sogenannte “Entwicklung” und die unkontrollierte Plünderung der natürlichen Ressourcen entstanden. Sie bringen als Konsequenz abrupte Änderungen insbesondere in Bezug auf das Klima, Pandemien und die Gefährdung der Gesundheit aller, wie wir es gerade erleben. Angesichts eines solchen Szenarios haben die Vereinten Nationen 2015 die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) formuliert, um so die Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und zu garantieren, dass alle Menschen in 2030 in Frieden und Wohlstand leben können.

SDG 17 fordert die Weltgemeinschaft dazu auf, neue Partnerschaften zu bilden und zu führen, um Herausforderungen zu bewältigen und zu lösen. Dabei ist der auch darauf zu richten, Partnerschaften mit indigenen Gemeinschaften, Institutionen und Personen aufzubauen und zu führen. Und sie müssen neu in dem Sinne sein, dass sie die unheilvolle Tradition der Ausnutzung, Geringschätzung und Verachtung gegenüber indigenen Völkern und umgekehrt die Unterlegenheit und das Unterlegenheitsgefühl derselben überwinden. Der interkulturelle Dialog, die Suche nach gemeinsamen Lösungen und die Weitergabe von Wissen – das alles ist zentrales Anliegen und Aufgabe der Maloka.

Die Maloka in Amazonien, und speziell bei den Uitoto in Peru, ist eine Möglichkeit des Zusammenkommens, des Austauschs, der Verständigung und der – auch internationalen – Partnerschaften. In einer Version der Schöpfungsgeschichte der Uitoto über den Baum der Fülle beschließen die vier weisen Ahnen, Frieden zu schließen und ihre Konflikte künftig in der Maloka zu lösen, wo sie über die beste Lösung nachdenken.[1]

Die Uitoto leben heute sowohl in Peru,(vor allem in der Region Loreto entlang der Flüsse Putumayo und Ampiyacu), als auch in Kolumbien und Brasilien. Sie bilden in einer Gruppe von sieben Völkern mit untereinander nicht verständlichen Sprachen die sog. Gente del Centro (Menschen des Zentrums).[2] In ihren traditionellen Versammlungshäusern, den Malokas, haben die Ältesten ihr Wissen an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Die Männer den Jungen, die Frauen den Mädchen, jeder und jede in seinem und ihrem Bereich der Maloka. Die Maloka ist auch ein Ort, an dem Feste und Tänze gemeinsam mit anderen Familien der Uitoto, aber auch mit Gästen von anderen Völkern durchgeführt werden.

Der illàima, der „Herr der Maloka“, lädt in die Maloka ein und hat die Aufgabe, für das Wohlergehen der Geladenen zu sorgen. Er verfügt über das weitreichendste Wissen in der Gemeinschaft, kennt die Geschichte ihrer unterschiedlichen Völker und ihre Riten und Mythen. Mit Tänzen, Liedern und Erzählungen in der Maloka wird Wissen erinnert und weitergegeben, umfangreiches Wissen und Empathie sind hoch angesehen.[3]Vieles von diesem System brach während des Kautschukbooms im vorigen Jahrhundert zusammen, als die große Mehrheit der Uitoto versklavt und von ihren ursprünglichen Territorien an den Putumayo und Ampiyacu in Peru verschleppt wurde.

Foto: Elke Falley-Rothkopf

 Heute nehmen indigene Repräsentant*innen  auch der Uitoto an internationalen Zusammenkünften wie den UN-Klimaverhandlungen (COPs) mit Beobachterstatus teil. Der Klimawandel und die Verhandlungen sind insofern besonders wichtig, weil aus der indigenen Weltsicht heraus, indigene Gemeinschaften bereits ohne die Beteiligung oder Unterstützung von Staaten, besonders zu SDG 13 – Schutz des Klimas – beigetragen haben. Das traditionelle Wissen, die Erfahrungen und Praktiken Indigener haben eine sehr wichtige Rolle bei dem harmonischen Erhalt der Wälder gespielt. Von den Wäldern Amazoniens wird so oft gesagt, dass sie die Lunge der Erde sind. Aufgrund ihrer Bedeutung für den globalen Süßwasserkreislauf sind sie jedoch auch das „Herz“ der Erde. Bei dem Schutz der Wälder geht es immer darum, dies mithilfe unseres traditionellen Wissens zu tun. Es ist für das Verständnis lokaler und globaler Zusammenhänge von unvergleichbarem Wert.

Diese Erkenntnis bedeutet aber einen Paradigmen-Wandel bei den Staaten und Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit. Wir sind nicht nur Empfänger*innen von Hilfspaketen und werden mehr oder minder in Projekte mit eingebunden, sondern wir haben auch etwas zu bieten. So gehen wir davon aus, dass wir indigenen Gemeinschaften und Institutionen bei den großen Konventionen der Vereinten Nationen (zu den SDGs, zum Klimawandel und der biologischen Vielfalt) vertreten sind. Wir müssen gehört werden, uns aber auch um die Verständigung bemühen. Ein reziproker Beitrag also. So reduziert sich das Ungleichgewicht. Durch den Aufbau und die Gestaltung der Beziehungen wird verhindert, dass jemand zurück- oder allein bleibt.

Wenn also die Deutsche Bundesregierung[4]davon spricht, dass ein Technologie- und Wissenstransfer in die “least developed countries[5] erfolgen muss, ist es entscheidend, zum Beispiel beim Waldklimaschutz, zu erkennen, dass die indigenen Völker Amazoniens über Methoden sowie Wissen insbesondere über Wirkungszusammenhänge verfügen, welche wir erläutern und bereitstellen können. Dies muss akzeptiert werden. In unseren Territorien entstehen Methoden und Wissen, die über die lokale Ebene hinaus von Bedeutung sind. Diese Territorien sind für uns lebenswichtig. Werden sie zerstört oder uns der Zugang genommen, wie es jetzt entlang des Putumayo geschieht, droht die Zerstörung unserer Kultur. Doch mit ihrem Verschwinden droht auch der Verlust des Wissens und die Vernichtung der Wälder. Hier müssen beide Seiten noch stark am gegenseitigen Verständnis und an der Verständigung arbeiten. Im Sinne der Maloka bedeutet dies, dass die ökonomischen und technischen Hürden, wozu Sprachbarrieren gehören und die die aktive Teilnahme indigener Repräsentant*innen behindern, gemeinsam abgebaut werden und wir uns im gegenseitigen Respekt begegnen.

Quellen und weiterführende Informationen

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: BMZ Konzept 139 – Entwicklungszusammenarbeit mit indigenen Völkern in Lateinamerika und der Karibik, Bonn/Berlin Juli 2006

InfoBlatt 4 der Informationsstelle Peru: Traditionelles indigenes Wissen – Das Beispiel Peru, Freiburg, März 2020

InfoBlatt 3 der Informationsstelle Peru: Sprachenvielfalt in Peru, Freiburg, März 2020

Gasché, Jürg: La Gente del Centro y los impactos del caucho, in: Chirif, Alberto: Después del Caucho, Lima, 2017, S. 49 – 78

Gasché, Jürg: The spell of the riddles among the Witoto, in: Strecker, Ivo und Verne, Markus (Hg.): Studies in Rhetoric and Culture – astonishment and evocation, Main, 2013, S. 77-97


[1]             Vgl. https://nukanchipainushirafueup.wordpress.com/versiones-del-moniya-amena-arbol-de-la-abundancia/, InfoBlatt 4, S. 4 Fußnote 19

[2] Vgl. InfoBlatt 3 der Informationsstelle Peru, S. 3 und Jürg Gasché, 2017

[3]          Gasché, 2013, S. 77-78

[4]             Webseite der Bundesregierung https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/globale-partnerschaft-1140096

[5]           …   und entlang des Wohlstandsgefälles gehören indigene Gemeinschaften zu den „least developed“….

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