SDG 5: Eine progressive Frauen-Gruppe für Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung in Nepal

Pasang Dolma Sherpa, Executive Director of Center for Indigenous Peoples‘ Research (CIPRED) (Übersetzung Sabine Schielmann)

Die progressive Frauengruppe „Pragati Nari Samuha“, angeführt von alleinstehenden Frauen im Dorf Khasure, im Distrikt Lamjung  der Provinz Gandaki in Nepal, ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie einheimische alleinstehende Frauen auf lokaler Ebene zur globalen Agenda der Gleichstellung von Frauen und Männern und nachhaltiger Entwicklung beitragen.

In unserer patriarchalischen Gesellschaft stehen Frauen häufig an zweiter Stelle sowohl zu Hause als auch auf Gemeindeebene, wenn Entscheidungen getroffen werden. Der Trend, dass Eltern einer Tochter den Schwiegersohn auswählen, ist in Nepal weit verbreitet. In Nepal gibt es viele Sprichwörter, die Frauen davon abhalten, zu sprechen oder eine aktive Rolle zu spielen. Je mehr Frauen auf ihren Ehemann und ihre Schwiegereltern hören, umso bescheidenere und idealere Frauen werden sie. Dies ist, was die meisten Familien in Nepal erwarten. Die Situation von alleinstehenden Frauen ist noch schlimmer. Sie werden von der Gesellschaft anders gesehen, als hilflose Menschen. Die Menschen denken, dass indigene Familien in Nepal matriarchalisch sind, aber in Wirklichkeit sind indigene Frauen nicht frei vom Mainstream der patriarchalischen Gesellschaft. Dies ist einer der Gründe, warum Frauen, obwohl es mehr Frauen als Männer in Nepal gibt, in allen Bereichen immer noch weit hinterherhinken. Nur wenige Frauen haben das Glück, aus ihrem zu Hause herauszukommen, um die Welt zu erkunden und ihre Stimme leben zu lassen.

Die alleinstehenden Frauen des Dorfes Khasure im Bezirk Lamjung in der Provinz Gandaki in Nepal haben ähnliche Geschichten. Bevor sie 2008 die Möglichkeit bekamen, an einem Frauen-Führungstraining teilzunehmen, gefolgt von Haushalts- und Kochschulungen in den Jahren 2009 und 2010, konnten sie kaum vor ihren Dorfältesten oder mit Außenstehenden sprechen. Nach dem Training bauten sie langsam ihr Selbstvertrauen auf, um Nepal Frauenuntereinander und mit ihren Familien über ihre Anliegen zu sprechen.

 

Foto: Jivraj Ghale

In 2007, im Dorf Khasure haben sich 16 alleinstehende Frauen, die nie geheiratet haben, weil sie entweder alleinstehend bleiben wollten oder nie einen geeigneten Partner gefunden haben, entschieden, eine Gruppe zu gründen als Alternative zu Rodhi Ghar, dem traditionell ausgewählten Heim für junge Männer und Frauen um nach ihrer täglichen Arbeit ihre Geschichten zu teilen und ihre Lieder zu singen. Dies hat ihnen einen Raum gegeben, um ihre Anliegen und Geschichten zu teilen. Nach ein paar Jahren hat diese Gruppe beschlossen, sich in eine formelle Institution umzuwandeln und offiziell als Pragati Nari Samuha – was so viel bedeutet wie ‚fortschrittliche Frauen-Gruppe‘ –  registriert zu werden. So begannen sie auf ihrem neuen Weg und arbeiten seitdem für sich selbst und für Mädchen und Frauen des Dorfes. Sie ermutigten und halfen jedem Mädchen und Jungen, regelmäßig zur Schule zu gehen. Sie motivierten Familien, wenn ein Mädchen geboren wurde  und feierten die Geburt, wie es traditionell nur gefeiert wurde, wenn ein Junge in der Familie geboren wurde. Dies hat Verwirrung unter den Ältesten geschaffen, die Frauen im Dorf nie schätzten. Später begannen auch sie, jede Frau, die aus dem Ausland ins Dorf kam, zu begrüßen, denn traditionell wurden nur Männer begrüßt. Obwohl sie anfangs von den Ältesten des Dorfes nicht akzeptiert wurden, unterstützten sie die Ältesten des Dorfes, nachdem sie langsam das Engagement und den Einsatz der Gruppe zur Stärkung der Frauen gesehen hatten.

Die Gruppe steigerte ihr Selbstvertrauen nach der Gründung des khaja ​​ghar, eines kleinen Restaurants im Dorf, indem sie ein verlassenes Haus im Dorf reparierten. Dem folgte die Errichtung von Lodges durch das Reparieren zweier weiterer Häuser im Dorf. Das regelmäßige Einkommen der Gruppe hat ihr Vertrauen darin, dass Frauen die Wahrnehmung ihnen gegenüber dahingehend verändern können, dass sie als unabhängig und als Unterstützerinnen ihrer Familien und Gemeinschaften gesehen werden, weiter gestärkt. Die Rollen und Beiträge der Gruppe haben dazu beigetragen, die Denkweise vieler Familien im Dorf zu ändern und Frauen im Dorf zu respektieren. Ehemänner verdächtigen ihre Frauen nun nicht mehr, wenn sie etwas später nach Hause kommen.

Wenn ein Dorfbewohner Frauen sogar mitten in der Nacht spazieren sieht, so würde er sie heute begrüßen und sagen: „Euer Treffen muss heute lange gedauert haben.“ Dies zeigt das Vertrauen in die Frauen, die die Veränderungen in das Dorf gebracht haben und zum Vorbild für andere Frauen geworden sind. Sie haben im Dorf eine entscheidende Rolle gespielt, um Frauen zu stärken, und sie haben auch dazu beigetragen, die globale Agenda der Gleichstellung der Geschlechter und der nachhaltigen Entwicklung zu erfüllen. Daher ist die Rolle indigener Frauen bedeutend für ihre sinnvolle Beteiligung an Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen, um die notwendigen Veränderungen zur Erfüllung der SDGs in der Gesellschaft sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene hervorzubringen.

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