Rückblick auf Online Diskussion zu Erfahrungen Indigener mit Covid-19

Bewegende Berichte und Erfahrungen unserer indigenen Gäste aus Indonesien, Kanada und Uganda berührten die Teilnehmenden der Diskussionsveranstaltung Erfahrungen und Antworten indigener Gemeinschaften auf Covid-19 am 8.6.2021. Die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf indigene Gemeinschaften in abgelegenen Gebieten in Ost-Kalimantan, der Nordwestküste Kanadas und Karamoja im Norden Ugandas sind so vielfältig wie die indigenen Kulturen und Lebensweisen in diesen Regionen. In allen Regionen jedoch, hat die Pandemie existierende Krisen, wirtschaftliche Benachteiligung, mangelnde soziale Unterstützung und unzureichende medizinische Versorgung noch verstärkt und damit auch die Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinschaften eingeschränkt.

Foto: Sarah Mund

Kelly Brown von der Heiltsuk Nation beschrieb eindrücklich wie Versammlungsverbot und Abstandsregeln das Zusammenkommen der Gemeindemitglieder und die Durchführung von Zeremonien unmöglich gemacht hat. Dies hat sich dramatisch auf die spirituelle und mentale Gesundheit der Menschen, besonders auch der Jugendlichen ausgewirkt, die sonst in den sozio-kulturellen Bräuchen und Zusammenkünften wesentliche Stärkung erfahren. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit konnten sich die Heiltsuk vor Eindringlingen‘ von außen, die möglicherweise auch Krankheit mit sich bringen, weitgehend schützen. Ihre Isolation bedeute aber auch eine Einschränkung ihrer Verhandlungsmöglichkeiten mit der Regierung, beispielsweise bzgl. der Kontrolle der Fischfanggebiete. Für kleinere Unternehmen bedeutete die Pandemie häufig das wirtschaftliche Aus.

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Hilferuf aus Nepal

Seit mehreren Jahren arbeitet INFOE nun mit der indigenen Organisation CIPRED – Center for Indigenous Peoples‘ Research and Development – in Nepal zusammen, um über das Wissen, die Erfahrungen und die Situation indigener Gemeinschaften in Nepal zu informieren. Die Leiterin von CIPRED, Pasang Dolma Sherpa, hat mit ihrer Expertise bei verschiedenen Veranstaltungen zu Fragen des Wald- und Klimaschutz und der nachhaltigen Entwicklung als Expertin mitgewirkt. Nun erreicht uns aufgrund der täglich dramatischer werden Situation indigener Gemeinschaften in Nepal durch die Covid-19 Pandemie ein Hilferuf von CIPRED:

„Nepal ist mit der zweiten Welle der COVID-Pandemie in eine extreme Krise geraten. Die Infektionsrate der Pandemie hat mittlerweile 45,80 % der Bevölkerung Nepals erreicht, einhergehend mit der weltweit aktuell höchsten Todesrate . Die Krankenhäuser sind ohne Betten und Sauerstoff überlastet und die Situation wird zunehmend schwieriger. Sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten ist die Zahl der COVID-Infektionen sprunghaft angestiegen. Besonders in den abgelegenen, ländlichen Gebieten, die von indigenen Völkern bewohnt werden, gibt es nur sehr wenig medizinische Unterstützung. Die meisten Patient*innen sind auf die traditionelle Medizin angewiesen, um diese schwierige Zeit in den ländlichen Gemeinden zu überstehen. Es besteht dringender Bedarf an medizinischer Versorgung und persönlicher Schutzausrüstung für die indigenen Gemeinden in den abgelegenen Gebieten. Sicherzustellen, dass indigene Gemeinschaften über persönliche Schutzausrüstung und Informationen verfügen, um die Vorbeugung von Ansteckungen zu organisieren und dass bereits betroffene Menschen medizinische Unterstützung erhalten, ist sehr dringend.

Das Center for Indigenous Peoples‘ Research and Development (CIPRED) arbeitet seit Jahren mit indigenen Gemeinschaften zur Sicherung ihrer Rechte und traditionellen Lebensgrundlagen in verschiedenen Teilen Nepals zusammen. Indigene Gemeinschaften wurden und werden in schwierigen Situationen, wie nach Erdbeben, Überschwemmungen und nun COVID-19, unterstützt. Aufgrund der ständig steigenden Anfragen aus den Gemeinden, ruft CIPRED zur Unterstützung der indigenen Gemeinschaften in Nepal im Umgang mit der Pandemie auf und bittet um Spenden.“

Weitere Informationen auch zu den direkten Spendenmöglichkeiten, finden Sie auf der Webseite von CIPRED.

Erfahrungen und Antworten indigener Gemeinschaften auf Covid-19

Überall auf der Welt hat die Covid-19-Pandemie derzeit einen großen Einfluss auf unser Leben. Die konkreten Auswirkungen und Reaktionen darauf sind jedoch sehr unterschiedlich, z. B. je nachdem, wo wir leben, wie gut unser Gesundheitssystem funktioniert und auf welche sozialen und wirtschaftlichen Sicherheitsnetze wir zurückgreifen können.

INFOE gemeinsam mit dem Institut für Ethnologie und dem Global South Studies Center der Universität zu Köln

laden ein zur Online-Diskussionsrunde

Erfahrungen und Antworten indigener Gemeinschaften auf Covid-19

am 8.6.2021 von 15:00 bis 17:00Uhr

Wir bringen drei indigene Vertreter*innen aus Indonesien, Uganda und Kanada zusammen, um mit ihnen darüber zu diskutieren, wie indigene Gemeinschaften die Pandemie derzeit erleben und wie sie sich eine widerstandsfähige Erholung vorstellen.

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Kulturell diverse Botschaften zu Bildung für nachhaltige Entwicklung in Zeiten der Pandemie

Im Rahmen der „BNE-Wochen“ der Deutschen UNESCO-Kommission und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welche vom 1. bis zum 31. Mai 2021 stattfinden, luden INFOE und die „Indigenous Peoples Major Group“ am 12. Mai zu dem Workshop Kulturell diverse Wege zur praktischen Umsetzung von BNE auch in Zeiten der Pandemie ein.

Die Redner*innen, welche allesamt im Bildungsbereich tätig sind, waren der Direktor des Sustainable Development Institute (SDI) des College of the Menominee Nation Chris Caldwell aus den USA, Eulalie Dulnuan, Assistenz-Dozentin an der Ifugao State University von den Philippinen, Birgitta Goldschmidt, Promotorin für Schulgarten und BNE aus Koblenz, Sarah Laustroer, pädagogische Mitarbeiterin beim Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB), Isabel Queupil, Lehrerin an einer Grundschule in Chile und schließlich die Länderbeauftragte der Pestalozzi Children‘s Foundation namens Suraporn Suriyamonton aus Thailand.

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Zerstörung von Wald und mehr in der Region Chubut, Argentinien

In ihrer ‚Chronik einer vorhergesagten territorialen Verwüstung‘ beschreibt Juana Estela Antieco, eine Mapuche-Tehuelche Vertreterin, von den verheerenden Auswirkungen der Waldbrände in der Region Chubut auf das Leben der Mapuche-Tehuelche. Anfang des Jahres brannten über mehrere Monate hinweg mehr als 2000 Hektar Wald ab. Es wurden nicht nur die Häuser und Lebensgrundlagen von mindestens 500 Familien zerstört, sondern das Leben selbst wurde ausgelöscht.

Einst war das Gebiet ein autonomes Territorium, souverän und voller Leben. Die Menschen in dieser Region, Mapuche-Tehuelche und andere, schützen ihr Land, den Wald und die biologische Vielfalt. Sie leisten seit vielen Jahren Widerstand gegen die Aneignung ihrer Ländereien, gegen Ausbeutung und ökologische Zerstörung, u. a. durch Nadelbaummonokulturen und gegen eine Wiederaufnahme des Erzbergbaus. Dieser würde Umwelt und Wasserbestände in der Region vergiften.

Die Bevölkerung hat Vertreibungen und Verfolgungen erlebt und hat einige Schicksalsschläge erfahren. Die vorsätzlichen Brände von Tausenden von Hektar Wald, die viele Menschen ohne Haus und ohne irgendetwas zurückließen und Leben von Menschen und Tieren forderte, übertreffen jedoch alles Bisherige. Die Mapuche-Tehuelche Gemeinden sind mit dem Land und dem Wald in einer fürsorglichen, reziproken Beziehung verbunden. Mit dem Wald brennen auch ihre Seelen, Herzen und ihr Geist. Unterstützung für die materiellen Verluste erhalten die Gemeinden kaum und müssen sich aus Eigeninitiative helfen.

Die Situation in Chubut steht einmal mehr für die Priorisierung von wachstumsorientierter wirtschaftlicher Entwicklung zu Lasten der menschlichen Gesundheit und des Wohlbefindens, zu Lasten von sauberem Wasser und nährstoffreichen Böden und der biologischen Vielfalt. Dies verdeutlicht auch die Zielkonflikte zwischen dem nachhaltigen Entwicklungsziel (SDG) 8 und den Zielen SDG 3, SDG 6 und SDG 15. Eine wirklich nachhaltige Entwicklung muss alle SDGs umfassend in den Blick nehmen und von dem Wissen, den Erfahrungen und Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung ausgehen.

Lesen Sie hier den Originalbericht von Juana Estela Antieco (Antü co) Mapuche-Tehuelche in Spanisch oder Englisch.

Weitere Berichte zu den Flächenbränden in Argentinien sowie dem jüngsten Streit über den Erzbergbau finden Sie hier:

https://amerika21.de/2021/03/248969/braende-chubut

https://amerika21.de/2021/02/247782/argentinien-proteste-erzbergbau-chubut

Kulturell diverse Wege für BNE

BNE-Wochen: Wir sind dabei!

Im Mai 2021 wird in Deutschland der Auftakt des neuen UNESCO-Programms zu Bildung für nachhaltige Entwicklung „BNE 2030“ feierlich eingeläutet. Hierzu kommen bei der Weltkonferenz vom 17. bis 19. Mai 2021, die online von Berlin aus stattfindet, Teilnehmende aus allen UNESCO-Weltregionen zusammen. Um BNE in die breite Öffentlichkeit zu tragen, haben die Deutsche UNESCO-Kommission und das Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 1. bis 31. Mai 2021 die „BNE-Wochen“ ins Leben gerufen. INFOE und die ‚Indigenous Peoples Major Group‘ – IPMG laden am12.5.2021 zu einem gemeinsamen Workshop im Rahmen der BNE-Wochen ein.

In Zeiten der Corona-Pandemie erhalten die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs), ihre Inhalte und Umsetzung eine noch dringlichere Bedeutung. Das Unterziel 4.7. stellt BNE, Kenntnis und Verständnis von nachhaltigen Lebensweisen, vom Zusammenhang zwischen Menschenrechten und nachhaltiger Entwicklung, von Gleichberechtigung und der Bedeutung von kultureller Vielfalt für den Schutz unserer Lebensgrundlagen und für solidarische und resiliente Gesellschaften als grundlegend für nachhaltige Entwicklung und die Erreichung der SDGs heraus.

In unserem internationalen Workshop kommen Bildungsakteur*innen aus indigenen Gemeinschaften und aus Deutschland zusammen, um über Herausforderungen für die Umsetzung von kulturell vielfältiger BNE in unterschiedlichen kulturellen und institutionellen Kontexten zu sprechen. Wir erfahren, welche Lösungsansätze und Strategien BNE-Engagierte in unterschiedlichen Bildungssituationen verfolgen und entwickeln. Gemeinsam erörtern wir die Wirksamkeit der verschiedenen Wege sowie die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und gegenseitigen Stärkung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Kontakt und Anmeldung: sabine@infoe.de

For information in English and the program continue here.

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Briefing Paper zum Potential indigenen Wissens

Das Briefing Paper zu indigenen und formalen Wissenssystemen im Katastrophenrisikomanagement und der COVID-19 Pandemie ist als Ergebnis der erfolgreichen Paneldiskussion am 20. Mai 2020 im Rahmen der Entwicklungspolitischen Diskussionstage entstanden.  Das in Kooperation zwischen dem SLE-Team und INFOE erarbeitete Papier hebt die Rolle indigenen Wissens und die Gleichwertigkeit indigener Wissenssysteme mit anderen formalen, wissenschaftlichen Systemen hervor. Es zeigt auf, dass der Schlüssel zur Lösung heutiger Probleme und Krisen, wie dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt und auch der Covid-19-Pandemie, in der Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Wissensträger*innen und Wissensschaffer*innen aus unterschiedlichen Kulturen, mit vielfältigen Erfahrungen, Wissenssystemen und Weltbildern liegt.

Weitere Informationen finden Sie auch beim SLE https://www.sle-berlin.de/index.php/aktuelles/sle-briefing-paper-about-indigenous-peoples-knowledge

Indigene Frauen kämpfen für ihre Rechte, ihr Land und Gleichberechtigung

Das nachhaltige Entwicklungsziel (SDG) 5 will ‚Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen‘. Die Diskriminierung und alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen weltweit sollen beseitigt werden.

Nach mehr als 5 Jahren seit Verabschiedung der SDG im Rahmen der Agenda 2030 sind indigene Frauen und Mädchen nach wie vor Opfer von weit verbreiteter Gewalt, von Menschenhandel, Ausbeutung und Diskriminierung. An Entscheidungsfindungsprozessen, die sie betreffen, werden sie kaum beteiligt. Insbesondere als Verteidigerinnen ihrer Menschenrechte sind indigene Frauen zunehmender Diskriminierung und Angriffen ausgesetzt.

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Vorwärts gehen auch angesichts von Klimawandel und Covid-19

Mit dem Beitrag des Vertreters der Karamojong, Simon Peter Longoli, aus Uganda am 2.2.2021 schloss die Seminarreihe zum Thema ‚Indigene und Klimawandel‘, die in Kooperation zwischen INFOE und dem Institut für Ethnologie der Universität zu Köln durchgeführt wurde. Simon sprach über die Auswirkungen des Klimawandels und der Covid-19 Pandemie auf die Lebens- und Wirtschaftsweise der Karamojong-Wanderhirt*innen in Uganda. Er erläuterte, dass die Karamojong bereits seit Langem mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben. Aber sie sind deshalb nicht nur Opfer, sondern sie haben ihre traditionellen ‚Wettervorhersage-Mechanismen‘, ihre Kommunikations- und Verhandlungsmechanismen kontinuierlich weiterentwickelt und an die sich verändernden Gegebenheiten angepasst. Das macht ihre kulturelle Gemeinschaft resilient und überlebensfähig.

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Eine indigene Sicht auf die Pandemie

von Pedro Cona Caniullan

Die Bevölkerung der indigenen Völker in Südamerika umfasst rund 40 Millionen Menschen (FAO and Griffiths). Diese Zahl steht für die kulturelle Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit indigener Völker trotz der Auswirkungen der Kolonialisierung auf ihre Lebensweise, die sich weiterhin auf dem gesamten Kontinent und darüber hinaus zeigen. Die internationale Gemeinschaft hatte nach langjähriger Diskussion indigene Völker als Gruppe und Subjekte des Rechts anerkannt. Es wurden internationale Instrumente wie das Übereinkommen Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO Nr. 169) und die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker (UNDRIP) erarbeitet, die die kollektiven Rechte indigener Völker und ihre Selbstbestimmung in wichtigen Fragen anerkennen, insbesondere in Bezug auf Konsultation, Beteiligung und die Rechte auf ihre Gebiete und Ressourcen. Diese Instrumente stellen politische Werkzeuge dar, um Schwierigkeiten wie die aktuelle Pandemie zu bewältigen.

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