Briefing Paper zum Potential indigenen Wissens

Das Briefing Paper zu indigenen und formalen Wissenssystemen im Katastrophenrisikomanagement und der COVID-19 Pandemie ist als Ergebnis der erfolgreichen Paneldiskussion am 20. Mai 2020 im Rahmen der Entwicklungspolitischen Diskussionstage entstanden.  Das in Kooperation zwischen dem SLE-Team und INFOE erarbeitete Papier hebt die Rolle indigenen Wissens und die Gleichwertigkeit indigener Wissenssysteme mit anderen formalen, wissenschaftlichen Systemen hervor. Es zeigt auf, dass der Schlüssel zur Lösung heutiger Probleme und Krisen, wie dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt und auch der Covid-19-Pandemie, in der Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Wissensträger*innen und Wissensschaffer*innen aus unterschiedlichen Kulturen, mit vielfältigen Erfahrungen, Wissenssystemen und Weltbildern liegt.

Weitere Informationen finden Sie auch beim SLE https://www.sle-berlin.de/index.php/aktuelles/sle-briefing-paper-about-indigenous-peoples-knowledge

Indigene Frauen kämpfen für ihre Rechte, ihr Land und Gleichberechtigung

Das nachhaltige Entwicklungsziel (SDG) 5 will ‚Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen‘. Die Diskriminierung und alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen weltweit sollen beseitigt werden.

Nach mehr als 5 Jahren seit Verabschiedung der SDG im Rahmen der Agenda 2030 sind indigene Frauen und Mädchen nach wie vor Opfer von weit verbreiteter Gewalt, von Menschenhandel, Ausbeutung und Diskriminierung. An Entscheidungsfindungsprozessen, die sie betreffen, werden sie kaum beteiligt. Insbesondere als Verteidigerinnen ihrer Menschenrechte sind indigene Frauen zunehmender Diskriminierung und Angriffen ausgesetzt.

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Vorwärts gehen auch angesichts von Klimawandel und Covid-19

Mit dem Beitrag des Vertreters der Karamojong, Simon Peter Longoli, aus Uganda am 2.2.2021 schloss die Seminarreihe zum Thema ‚Indigene und Klimawandel‘, die in Kooperation zwischen INFOE und dem Institut für Ethnologie der Universität zu Köln durchgeführt wurde. Simon sprach über die Auswirkungen des Klimawandels und der Covid-19 Pandemie auf die Lebens- und Wirtschaftsweise der Karamojong-Wanderhirt*innen in Uganda. Er erläuterte, dass die Karamojong bereits seit Langem mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben. Aber sie sind deshalb nicht nur Opfer, sondern sie haben ihre traditionellen ‚Wettervorhersage-Mechanismen‘, ihre Kommunikations- und Verhandlungsmechanismen kontinuierlich weiterentwickelt und an die sich verändernden Gegebenheiten angepasst. Das macht ihre kulturelle Gemeinschaft resilient und überlebensfähig.

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Eine indigene Sicht auf die Pandemie

von Pedro Cona Caniullan

Die Bevölkerung der indigenen Völker in Südamerika umfasst rund 40 Millionen Menschen (FAO and Griffiths). Diese Zahl steht für die kulturelle Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit indigener Völker trotz der Auswirkungen der Kolonialisierung auf ihre Lebensweise, die sich weiterhin auf dem gesamten Kontinent und darüber hinaus zeigen. Die internationale Gemeinschaft hatte nach langjähriger Diskussion indigene Völker als Gruppe und Subjekte des Rechts anerkannt. Es wurden internationale Instrumente wie das Übereinkommen Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO Nr. 169) und die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker (UNDRIP) erarbeitet, die die kollektiven Rechte indigener Völker und ihre Selbstbestimmung in wichtigen Fragen anerkennen, insbesondere in Bezug auf Konsultation, Beteiligung und die Rechte auf ihre Gebiete und Ressourcen. Diese Instrumente stellen politische Werkzeuge dar, um Schwierigkeiten wie die aktuelle Pandemie zu bewältigen.

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Young Voices: Envisioning Sustainable Futures

Am 7.12.2020 organisierte INFOE gemeinsam mit dem Institut für Ethnologie und dem Global South Study Center der Universität zu Köln eine Online Diskussionsrunde mit den Stimmen vier junger Menschen aus vier verschiedenen Ländern zu ihren Vorstellungen von einer nachhaltigen Zukunft.

Esther Atem vom Karamojong Development Forum in Uganda, Tehersiana Duyung vom Institut Dayakologi in Indonesien, Vivien Hoffmann von ‚Students for Future‘ in Deutschland und Nutdanai Trakansuphakon von der Pgakenyaw Association for Sustainable Development in Thailand sprachen mit Student*innen, Dozent*innen und weiteren Interessierten über ihre Visionen von einem ‚guten Leben‘ und einer nachhaltigen Zukunft für sie und ihre Gemeinschaften.

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Jetzt Online: Indigene Wege

Wandel-Erfahrungs-Geschichten indigener Gemeinschaften zu den nachhaltigen Entwicklungszielen

2015 beschloss die internationale Staatengemeinschaft die nachhaltigen Entwicklungsziele – Sustainable Development Goals (kurz als SDG bekannt) – als zentralen Bestandteil der Agenda 2030 zur „Transformation unserer Welt“. Seitdem sind eine Reihe von SDG-Fibeln entstanden. Wie diese Fibeln möchten die ‚Wandel-Erfahrungs-Geschichten‘ (WEGe) aus indigenen Gemeinschaften in der Broschüre ‚Indigene WEGE‘ Menschen inspirieren, ihre Möglichkeiten für nachhaltige Entwicklung zu entdecken. Sie möchten anregen, den notwendigen Wandel innovativ und zum Wohl aller mitzugestalten.

Die ‚Wandel-Erfahrungs-Geschichten‘ zu den 17 SDG informieren über das Engagement indigener Gemeinschaften für nachhaltige Entwicklung und den Umgang mit lokalen Auswirkungen der weltweiten sozial-ökologischen Krise. Ihre in der kulturellen Identität verankerten und wertebasierten Vorstellungen und Praktiken von Nachhaltigkeit können auf der Suche nach Lösungen Orientierung bieten. Die dargestellten globalen Zusammenhänge zeigen die Verknüpfungen zwischen dem Handeln von Menschen in Deutschland mit der Situation indigener Völker auf. Sie eröffnen Gestaltungsspielräume für solidarisch motivierte Weltbürger*innen und alle, die sich für nachhaltige Veränderungen auf den Weg machen möchten.

Das Begleitheft zur Publikation mit Handreichungen zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen für die Bildungsarbeit finden Sie hier:

Online Diskussionsrunde: Junge Stimmen für nachhaltige Zukunft

INFOE, gemeinsam mit dem Institut für Ethnologie und dem Global South Study Center der Universität Köln laden Sie zur Online Diskussionsrunde

Young Voices: Envisioning Sustainable Futures

am 7.12.2020 von 14:00 bis 16:00 Uhr ein.

Angesichts globaler Krisen wie dem Verlust biologischer Vielfalt, dem Klimawandel sowie der aktuellen Corona-Krise und damit verbundener apokalyptischer Vorhersagen der Zukunft, setzen sich viele junge Menschen für alternative Lebensweisen ein. Diese Diskussionsrunde bringt vier junge Aktivist*innen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammen, die alle inspiriert sind, eine gerechtere, fürsorglichere und nachhaltigere Zukunft zu gestalten.

Esther Atem vom Karamojong Development Forum in Uganda, Tehersiana Duyung vom Institut Dayakologi in Indonesien, Vivien Hoffmann von ‚Students for Future‘ in Deutschland und Nutdanai Trakansuphakon von der Pgakenyaw Association for Sustainable Development in Thailand werden sich in einem Dialog über ihre Visionen von der Zukunft austauschen. Gemeinsam mit ihnen diskutieren wir, was ein „gutes Leben“, eine „grüne Zukunft“ und eine nachhaltige Entwicklung im jeweiligen Kontext der jungen Diskussionsteilnehmer*innen ausmachen. Darüber hinaus betrachten wir die Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, um ihre Visionen sowohl lokal als auch global zu verwirklichen. Welche gemeinsamen Ziele und Strategien können identifiziert werden? Wie können wir als Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen oder engagierte Bürger*innen gemeinsam nach einer nachhaltigeren Lebensweise streben und uns gegenseitig unterstützen, obwohl wir uns an sehr unterschiedlichen Orten und in sehr unterschiedlichen Umgebungen befinden?

Bitte melden Sie sich bei Michaela Haug (mhaug@uni-koeln.de) oder Sabine Schielmann (sabine@infoe.de) an. Die Diskussionsrunde findet auf Englisch statt. For information in English, please click on the poster.

Indigene Völker und Klimawandel

In Wintersemester 2020/21 kooperiert INFOE wieder mit dem Institut für Ethnologie der Universität zu Köln im Rahmen einer Vortragsreihe zum Thema ‚Indigene und Klimawandel‘.

Die Vortragsreihe (als ZOOM-Meetings) wird auf Englisch stattfinden und von Sarah Mund gemeinsam mit INFOE organisiert. Sie knüpft an die die Thematik des Seminars von Prof. Bollig „The Anthropology of Climate and Climate Change“ an.

In den Zoom-Meetings werden indigene VertreterInnen aus verschiedenen Ländern ihre Perspektive auf das sich verändernde Klima teilen und anschließend mit den TeilnehmerInnen diskutieren.

Die Termine und Themen der Vorträge werden zeitnah auf der Seite des Instituts für Ethnologie veröffentlicht. Es stehen bereits fest:

24.11.2020, 14:00Uhr:
Rodion Sulyandziga, Center for support of indigenous peoples of the North (CSIPN), Russia:
Engagement of Udege people in protected areas management and climate change mitgation

15.12. 2020, 14:00Uhr
Jasmine Neosh, College of Menominee Nation, USA:
The Menominee sustainable forest management as a basis for community resilience in times of climate change and crisis

19.01.2021:
Pasang Dolma Sherpa, Centre for Indigeneous Peoples Research and Development (CIPRED), Nepal:
Climate change in the Himalaya region and progressive Gurung women for resilient communities in Nepal

02.02.2021:
Simon Peter Longoli, Karamoja Development Funds, Uganda:
Etamam -traditional negotiation mechanism of the Karamojong in times of multiple crisis

Interessierte können sich bereits bei Sarah Mund (smund4@uni-koeln.de) für die Vortragsreihe anmelden und erhalten dann alle weiteren Informationen und die Zoom-Einladungslinks der einzelnen Sitzungen.

The information on the lecture series which will be held in English is also available in English.

Maloka – für Verständigung und Partnerschaft zwischen den Völkern in Amazonien und weltweit

Zusammenfassung der Erfahrungsgeschichte zu SDG17 von Arlen Ribeira Calderon und Elke Falley-Rothkopf

Die Weltgemeinschaft steht heute vor Problemen und Krisen, denen sie sich erst vor Kurzem bewusst wurde. Was in Zukunft noch kommen wird, kann sie nur erahnen. Diese Krisen, denen wir gegenüberstehen, sind größtenteils durch die sogenannte “Entwicklung” und die unkontrollierte Plünderung der natürlichen Ressourcen entstanden. Sie bringen als Konsequenz abrupte Änderungen insbesondere in Bezug auf das Klima, Pandemien und die Gefährdung der Gesundheit aller, wie wir es gerade erleben. Angesichts eines solchen Szenarios haben die Vereinten Nationen 2015 die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) formuliert, um so die Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und zu garantieren, dass alle Menschen in 2030 in Frieden und Wohlstand leben können.

SDG 17 fordert die Weltgemeinschaft dazu auf, neue Partnerschaften zu bilden und zu führen, um Herausforderungen zu bewältigen und zu lösen. Dabei ist der auch darauf zu richten, Partnerschaften mit indigenen Gemeinschaften, Institutionen und Personen aufzubauen und zu führen. Und sie müssen neu in dem Sinne sein, dass sie die unheilvolle Tradition der Ausnutzung, Geringschätzung und Verachtung gegenüber indigenen Völkern und umgekehrt die Unterlegenheit und das Unterlegenheitsgefühl derselben überwinden. Der interkulturelle Dialog, die Suche nach gemeinsamen Lösungen und die Weitergabe von Wissen – das alles ist zentrales Anliegen und Aufgabe der Maloka.

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Die Jenu Kuruba in Indien und ihre traditionelle wirtschaftliche Beschäftigung – das Honigsammeln

Die wirtschaftliche Dimension ist eine der Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung. Um als Gemeinschaft oder Gesellschaft fortbestehen zu können, braucht es wirtschaftliche Entwicklung. Entscheidend für eine nachhaltige Wirtschaftsweise und Entwicklung sind die zugrundeliegenden Wert- und Zielvorstellungen, die wiederum die Rahmenbedingungen für das wirtschaftliche Handeln einer Gesellschaft hervorbringen.

In einer auf Wachstum, Wettbewerb und Gewinn ausgerichteten Wirtschaftsweise werden viele zurückgelassen, die nicht teilhaben und mitbestimmen können, weil ihnen Zeit, Bildung, Information, Energie, Mut oder auch Eigennutz fehlen. Eine resiliente Infrastruktur, wie sie in SDG 9 gefordert wird, bedeutet daher, dass bereits die Rahmenbedingungen für Arbeit, Handel, Institutionen, Ressourcennutzung, Organisationsweisen, Versorgung u.a. von Menschen einer Gesellschaft gemeinsam gestaltet werden, so dass sich alle mit ihren Fähigkeiten einbringen und teilhaben können.

Bei den Jenu Kuruba im südlichen Indien steht die Tätigkeit des Honigsammelns mit den dazugehörigen Bräuchen und Wissen im Zentrum. Die Jenu-Kuruba gehören zu den indigenen Völkern Indiens – auch Adivasi genannt – und leben im Bezirk Kodagu, an der südlichen Grenze des Bundesstaates Karnataka in Südwestindien. Das Lebensgebiet der Jenu Kuruba liegt in einem Biodiversitätshotspot mit zahlreichen Wald- und anderen Schutzgebieten. Der Bezirk Kodagu ist neben dem Kaffeeanbau auch bekannt für seine Honigproduktion. Die Jenu Kuruba – was in der lokalen Sprache ‚Honigsammler‘ bedeutet – zählen etwa 30.000 Personen, für die das Sammeln von Honig seit Generationen eine wichtige wirtschaftliche und zentrale kulturelle und spirituelle Aktivität darstellt.[1]

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